Tourenwagen Legenden: Start am Hockenheimring

Tourenwagen Legenden: Start am Hockenheimring

Es faucht, sprazzelt und dröhnt so herrlich in den Ohren. Im Rahmen eines Porsche Clubs Event (23.-25.7.20) fand der Saisonauftakt zur Rennserie der Tourenwagen Legenden am Hockenheimring statt. Leider wie die Geisterspiele im Fußball ohne Zuschauer, aber so ist nun mal die Situation und immerhin bewegt sich überhaupt etwas. Die einen sagen, ohne Zuschauer sei eine solche Veranstaltung sinnfrei. Wir denken, sinnfrei wäre es, diese Möglichkeit nicht zu nutzen und die herrlichen Rennwagen der 1980er-1990er Jahre in der Garage stehen zu lassen. So können die Protagonisten ihre Boliden bewegen, Sponsoren bleiben erhalten und es gibt für uns und die Fans dieser tollen Rennzeit neue Stories, Fotos und Material aus der Gegend wo sie hingehören – Der Rennstrecke!

Die Rennen

Und dort ging es kunterbunt zu. Zwar sicherte sich Klaus Ludwig und Jörg Hatscher im knallgelben AMG-Mercedes C-Klasse ITC die erste Pole der Saison 2020 und sie fuhren auch souverän den ersten Sieg ein, so wurde in Rennen zwei neu gemischt. Die Dominanz des dreifachen DTM-Champion Klaus Ludwig in der AMG Mercedes C-Klasse war vom Start bis ins Ziel in Lauf 1 nicht zu durchbrechen. Mit Stefan Rupp auf Alfa Romeo 155 ITC und Thorsten Stadler in einer weiteren AMG Mercedes C-Klasse ITC war das erste Podium 2020 komplett.

Bei strahlendem Sonnenschein und italienischen Temperaturen im badischen Motodrom, war dann der knallrote Alfa Romeo 155 mit Rupp am Steuer in Lauf 2 nicht aufzuhalten. Von Platz zwei aus gestartet, lies Rupp den V6 seiner italienischen Diva frei röhren und setzte sich schon in Runde 1 an die Spitze des Feldes. Ein Kuriosum am Rande: An der AMG Mercedes C-Klasse von Hatscher/Ludwig ging während des Rennens der Unterboden verloren. Aber Hatscher, der von Ludwig übernommen hatte, kämpfte sich trotz nun schlechter Aerodynamik auf Platz drei nach vorne.

Opel ist zurück auf dem Podium

Für die willkommene Überraschung sorgte der Däne Kasper Aaskov mit seinem Opel Calibra V6 4×4 ITC. Der EX-Alexander Wurz Wagen lief trotz anfänglicher Probleme recht gut und Aaskov kam in Rennen zwei seiner Premierensaison direkt direkt aufs Podium. Und dieses Gesamtergebnis, Alfa Romeo vor Opel und Mercedes-AMG gab es in dieser Konstellation seit 1996 nicht mehr. Ein tolles Rennergebnis welches eine spannende Saison verspricht.

Das schnellste Klasse-2-Fahrzeug pilotierte der Niederländer Gerbert Luttikhuis (Mercedes 190 E 2.5-16 EVO II. Die Klasse 3 gewann Leif Christensen aus Dänemark mit seinem Ford Sierra RS 500 Cosworth.

Stimmen der Top-3-Piloten

Stefan Rupp: „Besser hätte die Saison nicht starten können. Platz zwei und eins sind ein Superergebnis. Ich habe vor der Parabolika die Führung übernommen und konnte mich etwas absetzen. Dann erhielt ich eine Durchfahrtsstrafe wegen Verlassens der Rennstrecke. Aber selbst die konnte mich nicht stoppen. AM Ende war ich froh, dass ich von meiner Box signalisiert bekommen habe, dass ich einen guten Vorsprung hatte. So konnte ich am Ende etwas Speed rausnehmen.“

Kasper Aaskov: „Platz zwei fühlt sich für mich wie ein Sieg an. Nach Getriebeproblemen am Freitag haben meine Jungs bis spät in die Nacht gearbeitet, damit ich heute an den Start gehen konnte. Im Rennen hat dann mein ABS gestreikt. Wir haben mit dem Calibra noch viel zu lernen. Aber ich denke in 2-3 Läufen sind wir vorne mit bei der Musik. Ich bin heiß auf die nächsten Rennen.“

Jörg Hatscher: „Klaus hat in Rennen eins mit seinem Sieg die Messlatte sehr hoch gelegt. Da konnte ich nicht ganz mithalten. Ich habe früh meinen Unterboden verloren und dadurch extrem wenig Grip gehabt. Das war vor allem bei den heißen Temperaturen ein echter Kraftakt. Mit Platz drei bin ich aber sehr zufrieden. Alfa Romeo, Opel und AMG-Mercedes auf dem Podium – das ist ein legendäres Ergebnis. Mehr geht nicht.“

Die Geister und die Fans

Ja, die Fans auf den Tribünen und im Fahrerlager fehlten beim Start der Tourenwagen Legenden am Hockenheimring natürlich. Auch wenn nicht jede Rennserie vor ausverkauftem Haus fährt, aber ganz ohne Musik, geöffnete Shops, Grillwurstgeruch und fröhlichem Rennzirkus-Gesprächen, ist es eine fast gespenstige Atmosphäre. Dennoch, mit interessanter Action und Liebhaberfahrzeugen auf der Strecke, dem Enthusiasmus der Beteiligten, ist dieser Schritt sicher der Richtige und wir hoffen auf weitere, spannende Auftritte, in der kuriosen Saison 2020. Auf das solch tolle Rennserien für die Zeit nach Corona erhalten bleiben!

Die zweite Veranstaltung der Tourenwagen Legenden findet vom 28. bis 30. August im tschechischen Most statt. 

Text/ Foto: Bernd Schweickard